Einstieg vs. Austieg
8. Juli 2012


Es ist jeden Morgen das gleiche Phänomen. Der Zug fährt ein und der Kampf beginnt. Die Massen stehen sich gegenüber und keiner gedenkt zu weichen. Team Ausstieg gegen Team Einstieg. Erst Sekunden später merkt Team Einstieg wie sehr es im Weg steht und bildet der gegenüberstehen Masse einen Gang. Durch diese eher schmale Gasse muss sich nun Team Ausstieg schlängeln. Mitsamt Gepäck. Am schlimmsten trifft es die letzten zehn Prozent. Zurückgelassen von den anderen müssen sie gegen die nun schon einsteigende Masse ankämpfen und durch letzte Löcher in der Menge den Weg nach draußen finden.

Doch wieso ist es so schwer einfach Raum zu bieten und die Menschen ruhig aufsteigen zu lassen?

Sind es morgendliche Zombies die ihre Umgehung nicht wahrnehmen, ihr Ziel im Blick, von einem Gedanken getrieben: „Ich muss da rein!“. Erst wenn sie Kaffee in ihre untoten Kehlen schütten kehren sie zur Vernunft zurück. Klingt plausibel, birgt aber ein Problem. Es ist kein Problem des Morgens, sondern des gesamten Tages.

Vielleicht sind es aber auch nur von Gedächtnisschwund geplagte Personen, die zunächst vergessen, dass es bei einem einfahrenden Zug auch meistens Aufsteigende gibt. Sobald sie dies wiedererkennen treten sie drei Zentimeter zurück um nicht als Egoisten abgestempelt zu werden. Von anderen Egoisten versteht sich. Doch schon Sekunden später, besser gesagt in dem Moment in dem der starke Strom nachlässt vergessen sie das eben erlangte Wissen und versuchen so schnell wie möglich dem Zug zu stürmen. Es könnte kein Platz mehr frei sein.